Meine ersten Gaming-Erfahrungen begannen relativ früh – und waren eng mit der allgemeinen Faszination für Computer verbunden. 1993 kauften meine Eltern in Deutschland einen Vobis-PC, einen x486er mit stolzen 25 MHz. Dieser Rechner trat kurz darauf eine ungewöhnliche Reise an: Er wurde mit in unseren Heimatort in der Moskauer Region genommen. Für mich war das mehr als nur ein Computer – es war ein Fenster in eine völlig neue Welt.
So sah der Rechner ungefähr aus (ohne CD Rom, dafür aber mit nem Fach für größere, noch ältere Disketten):

Der PC lief fast ausschließlich unter DOS. Mein Alltag bestand aus dem blauen Bildschirm des Norton Commanders – oder besser gesagt des Volkov Commanders, der bei uns populärer war. Erst später kam Windows 3.11 dazu, das sich damals schon erstaunlich modern anfühlte, auch wenn man die meiste Zeit doch wieder im Dateimanager landete.
Mitte der 90er kam ein weiteres technisches Wunder hinzu: ein Modem. Über die Telefonleitung konnte sich der Rechner mit der Arbeitsstelle meines Vaters verbinden und ermöglichte so den Versand von E-Mails. Rückblickend war das vermutlich meine erste bewusste Berührung mit „Online-Sein“ – lange bevor das Internet alltäglich wurde.
Als Kind verbrachte ich unzählige Stunden mit Spielen auf diesem Rechner. Commander Keen, Ski or Die, Supaplex, Digger oder Mortal Kombat prägten diese Zeit. Mortal Kombat wurde oft zu zweit gespielt – beide Spieler an einer Tastatur, was erstaunlich gut funktionierte und regelmäßig in hitzigen Duellen endete. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Musik: piepsige, simple Klänge aus dem PC-Speaker, vermutlich 8-Bit, die mir trotzdem bis heute im Kopf geblieben sind – vor allem bei Ski or Die.
Ein kleines, aber wichtiges Detail war der Turbo-Button am Gehäuse. Er war praktisch immer eingeschaltet. Mein Vater jedoch deaktivierte ihn manchmal gezielt beim Spielen von Supaplex. Durch die geringere Geschwindigkeit ließen sich komplexe Bewegungsabfolgen präziser ausführen, um besonders schwierige Level zu meistern. Für mich war das eine frühe Lektion darin, dass Technik manchmal auch bewusst „langsamer“ gemacht werden muss.

Neben dem PC sammelte ich auch erste Konsolen-Erfahrungen – allerdings nicht im eigenen Wohnzimmer. Ein Nachbar in unserem Mehrfamilienhaus besaß ein Sega Mega Drive. Dort trafen sich regelmäßig viele Kinder aus dem Haus zu gemeinsamen Spiel-Sessions. Gespielt wurden vor allem Shinobi und Mortal Kombat. Ein Kollege war darin besonders gut – frustrierend gut. Gegen ihn habe ich nie gewonnen. Er kannte sämtliche Fatality-, Babality- und Brutality-Tastenkombinationen auswendig, was ihn in unseren Augen nahezu unbesiegbar machte.

Mit der Zeit kamen leistungsfähigere Rechner, neue Spiele und schließlich auch das richtige Internet hinzu. Nicht jede Erinnerung daran ist mir heute noch angenehm. Ende der 90er spielte ich einmal auf der Arbeit meiner Mutter das Spiel Redneck Rampage – auf Russisch, mit zahlreichen Schimpfwörtern und obszönen Phrasen. Das gesamte Büro hörte mit. Rückblickend ist mir das ziemlich peinlich, damals erschien es mir einfach nur „witzig“.

Heute haben sich meine Gaming-Vorlieben deutlich verändert. Am PC spiele ich besonders gerne Strategiespiele wie Age of Empires, vor allem Teil 3, auch online. Ebenfalls begleiten mich seit Jahren die Port-Royale-Reihe (2, 3 und 4) sowie die Far-Cry-Serie und Crysis. Sie verbinden für mich Strategie, Atmosphäre und technische Faszination.

Auf der Konsole – konkret der PS3 – stehen weniger klassische Games im Vordergrund, sondern eher Gesellschaftsspiele. Buzz oder SingStar (Karaoke) spiele ich besonders gerne in geselliger Runde. Gaming ist für mich heute weniger Wettkampf als vielmehr gemeinsames Erleben – genau wie damals, nur mit anderer Technik.
